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Vom Badetod ins faschistische Beinhaus

28.08.2026, 11:00
Ausschnitt aus dem Totenbuch der Pfarrei Terlan 1919
Ausschnitt aus dem Totenbuch der Pfarrei Terlan 1919

Ein außergewöhnliches Dokument in den auf der Internetseite des Landesarchivs zugänglichen Kirchenbüchern beleuchtet das Schicksal des italienischen Soldaten David Mariottini. Der 1896 in Pulicciano (Provinz Arezzo) geborene Sohn von Raffaelo Mariottini und Camilla Perissi diente als Soldat der italienischen Armee in der 37. Colonna Careggio.


Am 23. Juni 1919 ertrank Mariottini gegen 17 Uhr beim Baden in einer Wasserlacke bei Siebeneich. Das Sterberegister von Terlan vermerkt seine Bestattung durch einen italienischen Feldkaplan. Der Tod stand somit nicht im Zusammenhang mit Kampfhandlungen, sondern war die Folge eines tragischen Unglücks.


Besonders bemerkenswert ist jedoch die spätere Geschichte seiner sterblichen Überreste: Am 27. April 1938 wurde Mariottinis Leichnam exhumiert und in das neu errichtete Ossarium in Burgeis überführt. Dort wurden während der faschistischen Herrschaft zahlreiche italienische Tote aus unterschiedlichen Regionen zusammengeführt, um die monumentalen Beinhäuser an den neuen Staatsgrenzen Italiens zu füllen. Die Ossarien dienten dabei nicht nur als Begräbnisstätten, sondern waren Teil einer politischen Erinnerungslandschaft, mit der das faschistische Regime seine Herrschaft und den italienischen Anspruch auf die Grenzgebiete symbolisch unterstreichen wollte.


Der Fall David Mariottini macht deutlich, wie individuelle Schicksale nachträglich in staatliche Erinnerungs- und Propagandapolitik eingebunden wurden. Aus einem jungen Soldaten, der bei einem Badeunfall ums Leben kam, wurde posthum ein Bestandteil jener monumentalen Erinnerungsorte, die die Gefallenen als symbolische „Grenzwächter der Nation“ (G. Steinacher) inszenierten.

Philipp Tolloi